Vor 200 Jahren wurde in Wuppertal Friedrich Engels geboren. Der Sohn eines Fabrikbesitzers wurde einer der berühmtesten Kritiker des Kapitalismus. 1847/48 schrieb er zusammen mit Marx das Kommunistische Manifest.
Es ist eine Welt im Wandel, in die Friedrich Engels am 28. November 1820 geboren wird. Aus England kommt die Industrielle Revolution nach Europa. Auch in Engels Geburtsstadt Wuppertal entstehen Fabriken – wie die seines Vaters, eines Textilfabrikanten. Hier lernt und versteht Engels, wie der Kapitalismus funktioniert – und wird einer seiner berühmtesten Kritiker.
Schon früh streitet der junge Engels mit seinem Vater. Unter dem Pseudonym Friedrich Oswald veröffentlicht er erste sozialkritische Schriften: „Es herrscht ein schreckliches Elend unter den nieder(e)n Klassen, besonders den Fabrikarbeitern im Wuppertal“, schreibt der 19-Jährige. Er kritisiert, dass Kinder für einen Hungerlohn in der Fabrik arbeiten, statt in die Schule zu gehen: Sie sind billiger als Erwachsene. Engels macht eine kaufmännische Ausbildung und besucht Kurse an der Universität. Er bewegt sich in linken Kreisen und lernt Karl Marx kennen.
Im Auftrag des Vaters geht Engels nach Manchester in England, wo er morgens Champagner trinkt und nachmittags die Arbeiterviertel besucht: Er war Kapitalist und Revolutionär in einer Person, sagen Historiker heute über ihn. Engels arbeitet immer enger mit Marx zusammen. In London werden beide 1847 Mitglieder im späteren „Bund der Kommunisten“. Ein Jahr später schreiben sie das „Kommunistische Manifest“.
„Das Kommunistische Manifest ist eine Gemeinschaftsarbeit, die zum größeren Teil von Karl Marx geschrieben worden ist, aber von Engels stammt vor allem das Drängende“, sagt der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe und meint damit, dass Engels für die klaren politischen Forderungen im Text verantwortlich ist. Außerdem unterstützt Engels Marx auch finanziell. „Ohne Friedrich Engels“, so Plumpe, „wären viele Schriften von Karl Marx nie erschienen.“
Fabrikant, -en / Fabrikantin, -nen — der Fabrikbesitzer, die Fabrikbesitzerin
Kapitalismus (nur Singular) (m.) — ein auf Privateigentum und Wettbewerb basierendes Wirtschaftssystem
Das Kommunistische Manifest — das wichtigste Werk von Marx und Engels; die theoretische Grundlage vieler kommunistischer Modelle
Wandel (nur Singular) (m.) — eine starke Veränderung
Industrielle Revolution (f., nur Singular) — eine Epoche (etwa vom Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts), die zu einem tiefgreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel in Europa führte
Pseudonym, -e (n.) — der Name eines Künstlers/einer Künstlerin, der nicht sein/ihr wirklicher Name ist
sozialkritisch — so, dass es um soziale Themen und Probleme geht
Schrift, - en (f.) — ein Text
Elend (nur Singular) (n.) — die (wirtschaftliche) Not
nieder — altmodisch für: niedrig, unten
etwas kritisieren — sagen, dass man etwas nicht gut findet
Hungerlohn, - löhne (m.) — ein sehr geringer Lohn
kaufmännisch — unternehmerisch; wirtschaftlich
links — hier: so, dass jemand gegen den Kapitalismus ist und sich für sozialistische Werte einsetzt
Champagner, - (m.) — ein Wein, der Kohlesäure enthält, und als das festlichste aller Getränke gilt
von jemandem stammen — von jemandem kommen; von jemandem entwickelt sein
drängend — so, dass andere davon bewegt werden
Historiker, -/Historikerin, -nen — der/die Geschichtswissenschaftler/in
Source: https://www.dw.com/de/friedrich-engels-fabrikantensohn-und-kapitalismuskritiker/l-55786410