Human Rights Watch und die Universität Stanford werfen der chinesischen Regierung systematische Menschenrechtsverletzungen unter anderem gegen Uiguren vor. Sie fordern eine Reaktion der internationalen Gemeinschaft.
In einem gemeinsamen Bericht werfen die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und die US-amerikanische Universität Stanford der chinesischen Regierung Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Peking flächendeckend und systematisch die Menschenrechte der Uiguren und anderer Völker in der Region Xinjiang verletzt.
Der Bericht nennt zahlreiche verschiedene Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie Mord, Folter, Inhaftierung, schwerer Entzug persönlicher Freiheiten, sexuelle Gewalt, Verfolgung bestimmter Gruppen und gewaltsames Verschwindenlassen einzelner Personen. Laut Human Rights Watch wurden seit 2017 etwa eine Million Menschen inhaftiert.
Der Bericht beschreibt darüber hinaus Zwangsarbeit, die Trennung von Kindern von ihren Familien und flächendeckende Überwachung der Bevölkerung. „Die chinesischen Formulierungen wie ‚Berufsausbildung‘ und ‚Deradikalisierung‘ können die grausame Realität der Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht verschleiern“, sagt Sophie Richardson von Human Rights Watch. In einem anderen Bericht wirft Yonah Diamond vom Raoul Wallenberg Centre for Human Rights der chinesischen Regierung sogar Völkermord vor.
Human Rights Watch und die Universität Stanford fordern die Einrichtung einer UN-Untersuchungskommission. Doch damit ist Peking nicht einverstanden. Beth Van Schaack von der Universität Stanford hält daher eine starke internationale Reaktion für notwendig. Falls das innerhalb der UN nicht möglich sein sollte, gibt es auch andere Optionen, erklärt Sophie Richardson: „Es gibt die Möglichkeit für nationale Strafverfolgungsbehörden, Ermittlungen aufzunehmen, und es gibt Möglichkeiten durch das Weltrechtsprinzip.“
Verbrechen gegen die Menschlichkeit, - (n.) — das schlimme Verbrechen eines Staates oder einer Organisation gegen eine große Gruppe von Menschen, z. B. Mord oder Folter
jemandem etwas vor|werfen — sagen, dass jemand etwas Schlimmes getan hat
Menschenrecht,-e (n.) — die Rechte, die alle Menschen auf der Welt haben sollten
flächendeckend — hier: überall
Folter (f., nur Singular) — die Tatsache, dass man einem Gefangenen starke Schmerzen zufügt
Inhaftierung, -en (f.) — die Gefangennahme von Menschen; die Verhaftung
Entzug, Entzüge (m.) — die Tatsache, dass etwas/jemand etwas nicht bekommt
Verfolgung, -en (f.) — hier: die sehr schlechte Behandlung von Menschen meist aus politischen oder religiösen Gründen
Verschwindenlassen (n., nur Singular) — hier: die Entführung; das Kidnapping
Zwangsarbeit (f., nur Singular) — die Strafe, bei der Gefangene hart arbeiten müssen
Überwachung, -en (f.) — das Beobachten von jemanden; die Kontrolle (Verb: jemanden überwachen)
Formulierung, -en (f.) — die Art und Weise, wie man etwas sagt oder schreibt; die Wörter, die man für einen Satz benutzt
Deradikalisierung, -en (f.) — der Prozess, bei dem eine Person weniger extrem denkt
grausam — brutal; schrecklich
etwas verschleiern — etwas verstecken
Option, -en (f.) — die Möglichkeit
Strafverfolgungsbehörde, -n (f.) — die Behörde, die Verbrechen untersucht
Ermittlung, -en (f.) — hier: die Untersuchung bei Verbrechen
Weltrechtsprinzip (n., nur Singular) — die Idee, dass bestimmte Verbrechen auch in anderen Ländern vor Gericht kommen können