Die Corona-Krise traf Prostituierte besonders hart. Ein halbes Jahr durften sie in Deutschland nicht arbeiten. Das ändert sich jetzt in den meisten Bundesländern. Aber die Lage der Sexarbeiterinnen bleibt schwierig.
Wenn es eine Liste der größten Verlierer in der Corona-Krise geben würde, würden Prostituierte dazugehören: Am 16. März 2020 verhängten alle Bundesländer in Deutschland ein Verbot für alle Formen der Sexarbeit. Bordelle und Straßenstriche wurden über Nacht geschlossen. Offiziell. Aber viele Prostituierte arbeiteten weiter – online, illegal und oft schutzlos.
„Viele wussten nicht, wie sie am nächsten Tag ihren Kühlschrank füllen sollten, sie hatten kein finanzielles Polster und mussten sich Geld leihen“, sagt Stephanie Klee. Die Gründerin des Bundesverbands Sexuelle Dienstleistungen fühlt sich von der Politik alleingelassen: „Sie haben uns ganz bewusst übersehen. Was mit uns Prostituierten ist, interessiert keinen! Dabei sind wir mindestens so systemrelevant wie die Friseure.“
Das weiß Klee aus eigener Erfahrung: Als sie sich vor einigen Wochen mit Kolleginnen im Bordell traf, um über ihre Arbeit zu reden, klingelte pausenlos das Telefon. Ständig wurde an die Tür geklopft. Das älteste Gewerbe der Welt kann man nicht einfach so verbieten. Aber wie soll Prostitution mit Corona, Abstand und Maskenpflicht aussehen? „Wir werden kreativer sein“, sagt Klee mit einem Schmunzeln.
Der Branche droht jedoch trotz aller Kreativität das Schicksal vieler Bars und Restaurants: die Insolvenz. „Viele Betriebe werden die Zeit nicht überstehen, weil die Schulden zu hoch sind und mit Sicherheit auch nicht alle Kunden zurückkommen“, meint Klee. Und das wird zweifellos das schwächste Glied in der Kette am härtesten treffen – die Sexarbeiterinnen.
Prostitution (f., nur Singular) — die Tatsache, dass jemand sexuelle Kontakte für Geld anbietet (Person: die Prostituierte)
etwas verhängen — eine offizielle Maßnahme beschließen
Bordell, -e (n.) — ein Haus, in dem man sexuelle Kontakte für Geld anbietet
Strich, -e (m.) — hier: eine Gegend, in der Sex für Geld auf der Straße angeboten wird
illegal — gesetzlich verboten
finanzielles Polster (n.) — umgangssprachlich für: genug Geld für einen Zeitraum
Verband, -bände (m.) — eine Organisation, die aus kleineren Organisationen besteht
Dienstleistung, -en (f.) — etwas, das man gegen Bezahlung für jemand anderen tut
sich alleingelassen fühlen — glauben, dass sich niemand für einen interessiert
bewusst — mit Absicht
etwas übersehen — etwas nicht sehen; etwas nicht erkennen; etwas nicht beachten
systemrelevant — wichtig für das ganze System/für die ganze Gesellschaft
Gewerbe, - (n.) — die selbstständige wirtschaftliche Tätigkeit
kreativ — so, dass man neue Ideen entwickelt (Nomen: die Kreativität)
schmunzeln — eine Form des Lächelns, die etwas Lustiges, Humorvolles begleitet
Branche, -n (f., aus dem Französischen) — der Wirtschaftsbereich; alle Unternehmen, die das gleiche Produkt oder die gleiche Leistung anbieten
drohen — hier: mit etwas Negativem rechnen müssen
Insolvenz, -en (f.) — die Tatsache, dass ein Unternehmen nicht mehr zahlen kann
überstehen — hier: überleben
Glied, -er (n.) — hier: der Teil einer Kette
Nachdem Moria, das größte Flüchtlingslager in Europa, abgebrannt ist, wollen Brüssel und Athen ein neues Lager auf Lesbos errichten. Auf der griechischen Insel will das aber niemand. Die Lage dort ist dramatisch.
„Ich will auf keinen Fall in die neue Unterkunft. Ich will weg aus Lesbos,“ sagt Reza. Der junge Afghane harrt wie Tausende andere Flüchtlinge auf der Küstenstraße zwischen der Inselhauptstadt Mytilini und dem kleinen Dorf Panagiouda aus. Auf der anderen Seite der Bucht wurde ein provisorisches Lager errichtet. In die kleine Zeltstadt sind etwa 500 Flüchtlinge aus Moria eingezogen.
Für Reza ist das aber keine Alternative. „Ich habe seit zwei Tagen nichts gegessen,“ erzählt er mit einem Lächeln. Die Hoffnung, Lesbos endlich verlassen zu können, ist größer als der Hunger oder die Angst. So geht es vielen Menschen, die auf der Hauptverkehrsstraße ihr eigenes Lager errichtet haben.
NGOs verteilen Wasser und Nahrung. Dabei kommt es zu dramatischen Szenen: Kleinbusse fahren durch das Areal. Die Autotüren öffnen sich. Durstige Menschen, die seit Stunden in der Hitze ausharren, sehen Wasser in den Wagen und rennen ihnen hinterher. Die Helfer versuchen, die Flüchtlinge durch Rufe zurückzuhalten. Sie werfen die Flaschen in die Menge. Menschen prügeln sich und stürzen. Eine Frau liegt bewusstlos am Boden. Ein Mann bricht sich den Arm.
Alle sind mit dem Chaos auf Lesbos überfordert. Nach der Feuerkatastrophe in Moria in der zweiten Septemberwoche kündigten Brüssel und Athen jetzt den Bau eines neuen Lagers auf der Insel an. Auf Lesbos will das niemand. Die Regierungen der EU-Länder interessiert das aber scheinbar wenig. Denn kaum jemand will Flüchtlinge aufnehmen. Die westlichen Länder haben Angst, dass Flüchtlinge auf anderen Inseln die Lager anzünden werden, um endlich von dort wegzukommen.
Chaos (n., nur Singular) — hier: die Tatsache, dass es keine Regeln und keine Ordnung gibt und dass Unsicherheit herrscht
Flüchtling, -e (m.) — jemand, der sein Heimatland aus einem bestimmten Grund (z. B. Krieg) verlassen muss
Lager, - (n.) — hier: der Wohn- und Übernachtungsplatz für Menschen in Not
etwas errichten — etwas aufbauen
dramatisch — hier: sehr schlimm; furchtbar
aus|harren — in einer schwierigen Situation irgendwo sehr lange warten müssen
Bucht, -en (f.) — eine halbrunde Stelle, an der das Meer weiter ins Land hineinreicht
provisorisch — so, dass es nur eine Hilfslösung ist, die nur für eine kurze Zeit gedacht ist
Alternative, -n (f.) — eine andere Möglichkeit
NGO, -s (f., aus dem Englischen) — kurz für: Nichtregierungsorganisation; die Organisation, die nicht von der Regierung gesteuert wird
Szene, -n (f.) — hier: die Situation; das Ereignis
Areal, -e (n.) — das Gebiet; der Ort
Hitze (f., nur Singular) — die Tatsache, dass es an einem Ort sehr heiß ist; die Tatsache, dass etwas sehr heiß ist
jemanden zurück|halten — jemanden daran hindern, etwas zu tun
sich prügeln — sich schlagen
bewusstlos — ohnmächtig; so, dass man auf nichts reagiert
jemanden überfordern — mehr von jemandem verlangen, als er schaffen kann
etwas an|kündigen — hier: öffentlich bekannt machen, dass etwas bald stattfinden wird
Nach der Vergiftung des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny spricht Bundeskanzlerin Angela Merkel von versuchtem Mord. Sie fordert Aufklärung von Russland. Doch die Druckmittel des Westens sind begrenzt.
„Eindeutig“ nennt Bundeskanzlerin Angela Merkel die Beweise – dafür, dass der russische Oppositionelle Alexej Nawalny, der zurzeit in Berlin behandelt wird, mit „Nowitschok“ vergiftet wurde, einem Gift aus sowjetischer Produktion. Sie fordert Aufklärung von der russischen Regierung. Moskau dagegen bestreitet, mit dem Fall zu tun zu haben.
Nun droht die EU mit Sanktionen. Doch wie können die aussehen? Schnell ist das Gaspipeline-Projekt „Nord Stream 2“ in den Fokus geraten. Die Pipeline, die durch das Meer von Russland nach Deutschland führen soll, ist fast fertig. Politiker verschiedener Parteien fordern jetzt, den Bau zu stoppen, um Druck auf Russland auszuüben. Aber das Gas, das durch die Pipeline geliefert werden soll, brauchen die Kunden im Westen sowieso. Es würde weiter durch die bereits bestehenden Pipelines geliefert werden. Ein starkes wirtschaftliches Druckmittel wäre der Baustopp also nicht.
„Man muss sich vor Augen halten, dass die Möglichkeiten, auf Russland einzuwirken, für die EU und für Deutschland sehr begrenzt sind“, sagt Hans Henning Schröder von der „Stiftung Wissenschaft und Politik“. Das haben auch die diplomatischen Spannungen und wirtschaftlichen Sanktionen der letzten Jahre gezeigt: Wirklich verändert hat sich die Politik Moskaus dadurch nicht.
Dazu kommt, dass man sich auch im Westen nicht einig ist. Frankreich, Italien und Österreich haben eher gute Beziehungen zu Russland. Die osteuropäischen Mitgliedstaaten der EU dagegen sehen Russland sehr viel kritischer. Die USA verfolgen ihre eigenen Interessen: Sie würden gern amerikanisches Gas in die EU verkaufen. Gegen Firmen, die am Bau der Pipeline „Nord Stream 2“ beteiligt sind, haben sie deshalb Sanktionen beschlossen. Andererseits spricht Präsident Trump immer wieder von seinen „großartigen“ Beziehungen zu Präsident Putin. Ob es eine gemeinsame Reaktion auf die Vergiftung Nawalnys geben kann, bleibt also offen.
Oppositionelle, -n (m./f.) — jemand, der ein Gegner der Regierung ist; jemand, der zur politischen Opposition gehört
eindeutig — sehr klar; so, dass kein Zweifel besteht
etwas bestreiten — hier: sagen, dass eine Behauptung nicht stimmt
mit etwas drohen — jemandem vor etwas Angst machen; sagen, dass man etwas Unangenehmes tun wird, wenn der andere nicht so handelt, wie man möchte
Sanktion, -en (f.) — hier: Strafen gegen einen Staat für ein bestimmtes Verhalten
Gaspipeline, -s (f.) — eine Leitung, durch die Erdgas transportiert wird
in den Fokus geraten — plötzlich viel (öffentliche) Aufmerksamkeit bekommen
auf jemanden Druck ausüben — versuchen, jemanden zu zwingen, etwas zu tun
Druckmittel, - (n.) — Mittel, mit dem man versucht, jemanden zu etwas zu zwingen
sich etwas vor Augen halten — sich etwas klarmachen; an etwas denken
auf etwas/jemanden ein|wirken — hier: eine Wirkung auf etwas/jemanden haben
begrenzt — hier: wenig; mit wenig Wirkung
diplomatische Spannungen (f., nur im Plural) — ein Konflikt zwischen zwei oder mehreren Ländern, der über die Auslandsvertretungen geführt wird
sich einig sein — die gleiche Meinung haben
seine eigenen Interessen verfolgen — versuchen, die eigenen Ziele zu erreichen
an etwas beteiligt sein — bei etwas mitmachen
großartig — toll; sehr gut
Vergiftung, -en (f.) — die Tatsache, dass jemand mit Gift krankgemacht oder getötet wurde
Schlager sind in Deutschland immer noch ein beliebtes Musikgenre, denn die Lieder über Liebe, Heimat und Party sorgen für gute Stimmung. Auch Frauen singen gerne mit – trotz der oft sexistischen Texte.
Sexismus in der Musik? Ja, das kennt man vom Rap. An ein anderes Musikgenre denkt man dabei weniger: an den deutschen Schlager. Denn er wirkt harmlos mit seinen harmonischen Melodien und den Texten über Liebe, Heimat und fröhliche Partys. Die Darstellung einer heilen Welt, die man in vielen Schlagertexten findet, machte diese Musik nach dem Zweiten Weltkrieg besonders beliebt. Aber auch Jahrzehnte später tanzen die Menschen noch dazu und singen die Texte laut mit.
Das Frauenbild, das dort oft vermittelt wird, stört dabei kaum jemanden. So singt Howard Carpendale: „Vom Katalog aus dem Versandhaus möcht ich das Mädchen von Seite 1.“ Und G. G. Anderson behauptet in einem Lied: „Nein heißt ja, wenn man so lächelt wie du.“ Die Musikwissenschaftlerin Marina Schwarz meint dazu: „Das ist Teil der immer noch patriarchalischen Gesellschaft, in der wir leben.“ Offenbar finden auch viele Frauen, die in dieser Gesellschaft aufgewachsen sind, solche Texte normal.
Allerdings gibt es inzwischen verschiedene Arten von Schlagern. Neben den klassischen Hits von Roy Black, Udo Jürgens und anderen gibt es den „Mallorca-Schlager“. Diese Party-Songs, die etwa von Mickie Krause oder Jürgen Drews gesungen werden, sind oft besonders sexistisch. „Geh mal Bier holen“ singt zum Beispiel Mickie Krause, „du wirst schon wieder hässlich“. Bei neueren Popschlagern dagegen findet man diese Art von Texten eher nicht. Im Gegenteil: Sängerinnen wie Helene Fischer, Andrea Berg oder Vanessa Mai vermitteln in ihren Liedern das Bild von starken, selbstbewussten Frauen. Ihr Erfolg zeigt, dass es im deutschen Schlager auch ohne sexistische Texte geht.
Sexismus (m., nur Singular) — die Tatsache, dass man eine Person auf eine bestimmte Art (schlecht) behandelt, weil sie ein Mann/eine Frau ist
Schlager, - (m.) — hier: eine Musikrichtung mit einfachen Liedern und Texten, die oft von Liebe handeln
Musikgenre, -s (n.) — die Musikrichtung; die Art/Sorte von Musik
Rap, -s (m., aus dem Englischen) — die Musikrichtung mit gesprochenen Songs
harmlos — ungefährlich
harmonisch — hier: so, dass ein Lied aus zusammenpassenden Tönen besteht
Melodie, -n (f.) — eine Folge von Tönen in verschiedener Höhe, die ein Lied ergeben
heil — hier: ohne Schaden; nicht kaputt
Zweiter Weltkrieg (m., nur Singular) — der Krieg, den Deutschland 1939 begonnen und 1945 verloren hat und in dem viele Länder gegeneinander gekämpft haben
etwas vermitteln — dafür sorgen, dass jemand etwas kennenlernt
Katalog, -e (m.) — eine Art Heft, in dem Produkte zu sehen sind, die man kaufen kann
Versandhaus, -häuser (n.) — eine Firma, die ihre Waren nicht im Laden verkauft, sondern per Post verschickt
patriarchalisch — so, dass die Männer mehr Macht/Einfluss haben als die Frauen
auf|wachsen — groß werden; seine Kindheit verbringen
Mallorca (n., nur Singular, selten mit Artikel) — eine spanische Insel, auf der viele Deutsche Urlaub machen
Popschlager, - (m.) — eine Mischung von zwei Musikrichtungen: Pop und Schlager
selbstbewusst — so, dass jemand weiß, was er kann, und dies auch zeigt oder sagt
Das Interesse junger Menschen an Politik nimmt zu. Viele engagieren sich, zum Beispiel für den Klimaschutz. Wählen dürfen sie aber erst mit 18 Jahren. Mehrere Parteien fordern deshalb das Wahlrecht mit 16.
Politikverdrossenheit bei Jugendlichen war gestern. Heute beschäftigen sich viele junge Menschen wieder mit politischen Themen und engagieren sich, zum Beispiel bei Demonstrationen für den Klimaschutz. Das zeigt auch die Shell-Studie von 2019: Laut der Studie interessieren sich 41 Prozent der Jugendlichen für Politik. Deshalb fordern Politiker verschiedener Parteien, dass die Altersgrenze für das Wahlrecht von 18 auf 16 Jahre gesenkt wird. Bis jetzt dürfen 16-Jährige in vielen Bundesländern schon bei Kommunalwahlen wählen, aber nicht bei Bundestagswahlen.
Seit der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 ist das Wahlrecht immer wieder geändert worden. Oft haben die Änderungen dazu geführt, dass die Gruppe der Wahlberechtigten größer wurde. Im Kaiserreich durften nur Männer über 25 Jahren wählen – das waren etwa 20 Prozent der Bevölkerung. In der Weimarer Republik erhielten 1919 Männer und Frauen ab 20 Jahren das Wahlrecht. Und 1970 senkte die Regierung unter Willy Brandt, der mit dem Slogan „Mehr Demokratie wagen“ für sich geworben hatte, die Altersgrenze auf 18 Jahre.
Doch beim Wahlrecht geht es nicht nur um die Stärkung der Demokratie und um gesellschaftliche Veränderungen. Demokratieforscher Robert Vehrkamp erklärt: „Wahlrechtsfragen sind immer auch Machtfragen.“ Es ist deshalb keine Überraschung, dass besonders Politiker der Grünen, der SPD und der Linkspartei nun das Wahlrecht mit 16 fordern. Denn sie hoffen besonders auf Stimmen von jungen Wählern. Ob sie die wirklich bekommen, ist aber unsicher: Das Wahlverhalten der Jüngeren ist „volatil“, sagt Robert Vehrkamp. Wen sie wählen, weiß man also erst am Wahltag – wenn das neue Wahlrecht überhaupt kommt.
Wahlrecht (n., nur Singular) — die Tatsache, dass man über einen Politiker/eine Politikerin oder eine politische Partei mitentscheiden darf; die Tatsache, dass man das Recht hat zu wählen
sich engagieren — hier: aktiv sein; viel für ein bestimmtes Ziel tun
Politikverdrossenheit (f., nur Singular) — umgangssprachlich für: Interessenlosigkeit, Ablehnung, Misstrauen gegenüber dem politischen System
etwas war gestern — hier umgangssprachlich für: etwas ist Vergangenheit
Studie, -n (f.) — hier: die wissenschaftliche Untersuchung zu einem bestimmten Thema
Prozent, -e (n.) — ein Teil von Hundert
etwas senken — hier: etwas niedriger machen; etwas reduzieren
Kommunalwahl, -en (f.) — die Wahl in einer Stadt oder Region
Bundestagswahl, -en (f) — die Wahl des deutschen Parlaments
Deutsches Reich (n., nur Singular) — der Name des deutschen Staats (1871 bis 1945)
Wahlberechtigte, -n (m./f.) — die Person, die wählen darf
Kaiserreich, -e (n.) — ein Staat, der von einer Art König (Kaiser) regiert wird
Weimarer Republik (f., nur Singular) — der deutsche Staat von 1919–1933
Slogan, -s (m., aus dem Englischen) — ein kurzer Text, mit dem man für etwas werben will; das Motto
etwas wagen — etwas versuchen und nicht wissen, ob es funktioniert
für jemanden/etwas werben — Werbung für jemanden/etwas machen
Stärkung (f., hier nur Singular) — die Tatsache, dass man etwas stärker macht
SPD (f.) — Abkürzung für: Sozialdemokratische Partei Deutschlands
volatil — hier: so, dass sich etwas leicht und schnell verändert
Ist es möglich Konzerte in Zeiten der Pandemie so zu organisieren, dass sie kein größeres Risiko für die Zuschauer darstellen? Tim Bendzko und 1500 Freiwillige helfen, die Antwort auf diese Frage zu finden.
Kira und Felix Stütz taten am 22. August etwas, was man in Zeiten der Pandemie eigentlich nicht macht: Sie besuchten ein großes Pop-Konzert in der Arena Leipzig. Dabei ging es aber weniger um die Musik des Sängers Tim Bendzko als um Wissenschaft. Die beiden waren nämlich die freiwilligen Versuchskaninchen in einem Experiment. Die Studie Restart-19 will das Verhalten der Menschen in Konzerthallen erforschen, damit man die Risiken bei Großveranstaltungen in Zukunft besser einschätzen kann.
Für Kira und Felix fühlte sich die Teilnahme am Experiment „sicherer an, als zum Beispiel mit dem Zug durch Deutschland zu reisen“. Kein Wunder: Bei der Veranstaltung galten sehr strenge Regeln. Jeder Teilnehmer musste 48 Stunden vor dem Konzert einen Corona-Test machen und negativ sein. Nach dem Fiebermessen erhielten die Teilnehmer eine Hochfiltermaske sowie einen Sender, der ihre Bewegungen registrierte. Außerdem bekamen sie ein Desinfektionsmittel, das mit einem Markierungsspray gemischt wurde. So kann man später sehen, welche Oberflächen die Zuschauer berührten.
Die Studie, die fast eine Million Euro kostet, stößt aber auch auf Kritik. Kritiker stört, dass sie nicht unter realen Bedingungen stattgefunden hat. Denn bei den „echten“ Konzerten, sagen sie, trinken Menschen Alkohol, tanzen und singen ohne eine Hochfiltermaske. Studienleiter Stefan Moritz von der Universität Halle ist trotzdem zufrieden mit der Qualität der Daten. Bis diese ausgewertet sind, wird es noch mehrere Wochen dauern. Die Ergebnisse sollen im September veröffentlicht werden.
Pandemie, -n (f.) — eine ansteckende Krankheit, die viele Menschen zur gleichen Zeit in einem großen Gebiet, in mehreren Ländern oder auf mehreren Kontinenten haben
freiwillig — ohne, dass jemand zu etwas gezwungen wurde; so, dass jemand etwas selbst wollte
Versuchskaninchen, - (n.) — hier: jemand, an dem etwas getestet wird
Studie, -n (f.) — hier: eine Untersuchung, die Wissenschaftler zu einem Thema machen
etwas erforschen — etwas genau und wissenschaftlich untersuchen
etwas ein|schätzen — hier: etwas beurteilen
sich an|fühlen — hier: dafür sorgen, dass ein bestimmtes Gefühl (z. B. Unsicherheit) entsteht
Experiment, -e (n.) — hier: der wissenschaftliche Versuch
Wunder, - (n.) — hier: die Überraschung
Hochfiltermaske, -n (f.) — ein besonders wirkungsvoller Schutz für Mund und Nase
Sender, - (m.) — hier: ein Gerät, das Signale und Informationen sendet
registrieren — hier: etwas aufzeichnen; etwas dokumentieren; etwas speichern
Desinfektionsmittel, - (n.) — eine Flüssigkeit, mit der etwas (z. B. Wunden) von Viren und Bakterien gereinigt werden
Markierungsspray (n. nur Singular) — eine Flüssigkeit, mit der man sichtbare Spuren auf etwas machen kann
Oberfläche, -n (f.) — die äußere Schicht von etwas
auf Kritik stoßen — kritische, negative Reaktionen bekommen
real — hier: so, dass etwas wie im wirklichen Leben ist
echt — hier: so, dass etwas keine Übung und kein Experiment ist
etwas aus|werten — etwas analysieren und beurteilen
In England wollte sie keiner hören, also gingen die Beatles 1960 nach Hamburg. In den folgenden zwei Jahren spielten sie dort in verschiedenen Clubs, oft sieben Stunden am Stück. Es war der Beginn einer Weltkarriere.
Am 17. August 1960 trat eine junge englische Band im Hamburger „Indra“-Club auf. Die Musiker spielten in Deutschland, weil sie in ihrer Heimatstadt Liverpool kaum noch Arbeit fanden. Die Namen Paul McCartney, John Lennon und George Harrison kannte damals noch keiner. „Macht Schau“, sagte ihnen der Hamburger Clubbesitzer vor ihrem ersten Konzert. Und das machten sie auch.
Gerade einmal 30 Mark bekam jeder von ihnen für einen Auftritt von über sieben Stunden. Die Beatles lebten von Bier, Frikadellen und Aufputschmitteln. Sie wohnten in einer Kaschemme am Hafen, machten Schulden in den Kneipen und benahmen sich oft so schlecht, dass die Polizei kommen musste. „Hamburg war damals einer jener Orte, an denen es am wildesten zuging“, sagte Pete Best, vor Ringo Starr Schlagzeuger der Beatles. Aber: „Unsere Talente haben sich entwickeln können und wir hatten Erfolg.“
Dabei war die Gitarrenmusik für die Eltern ihrer Fans einfach nur Lärm. Aber die Jugendlichen rebellierten mit dem neuen Sound gegen die heile Welt der Kriegsgeneration, besonders in der Schlagermusik. Der Rock'n Roll der Beatles war laut – und er wurde immer besser. „800 Stunden im Probenraum“ hat Paul McCartney die Hamburger Jahre einmal genannt; es war der Beginn ihrer Weltkarriere.
1961 nahm die Band ihre erste Platte auf. Der Song „My Bonnie“, ein Volkslied mit Rock’n’Roll-Sound, erreichte Platz 5 der deutschen Hitparade. Am 5. Oktober 1962 veröffentlichten die Beatles dann den Song „Love Me Do“, ihren ersten großen internationalen Erfolg. Bis heute haben sie über 1,3 Milliarden Platten verkauft. Ende 1962 spielten sie zum letzten Mal in Hamburg – da waren sie schon weltberühmt.
Karriere, -n (f.) — der (erfolgreiche) berufliche Weg
auf|treten (Substantiv: der Auftritt) — hier: ein Konzert geben
Sound, -s (m., aus dem Englischen) — hier: die Musik
Band, -s (f. ,aus dem Englischen) — eine Musikgruppe
Aufputschmittel, - (n.) — ein Mittel, das dabei hilft, wach zu bleiben
Frikadelle, -n (f.) — ein runder gebratener Kloß aus Hackfleisch
Schau machen — hier: bei einem Konzert das Publikum begeistern
Kaschemme, -n (f.) — ein Lokal mit einem schlechten Ruf; hier: eine billige Wohnung
sich schlecht benehmen — nicht nett sein; verbotene Dinge tun
es geht wild zu — es wird viel gefeiert und Regeln werden nicht befolgt
Schlagzeuger, -/Schlagzeugerin, -nen — jemand, der in einer Musikgruppe das Schlaginstrument spielt und für den Rhythmus sorgt
Talent, -e (n.) — die Begabung; die besondere Fähigkeit
Generation, -en (f.) — eine Gruppe von Menschen, die ungefähr gleich alt sind
Schlager, - (m.) — ein traditionelles Lied mit einfacher Melodie, das oft von Liebe handelt
Fan, -s (m., aus dem Englischen) — jemand, der etwas/jemanden toll findet
gegen etwas/jemanden rebellieren — gegen etwas/jemanden protestieren
heile Welt (f., nur Singular) — redensartlich für: eine Scheinwelt, in der alles harmonisch und gut ist
Song, -s (m., aus dem Englischen) — das Lied
Milliarde, -n (f.) — 1.000.000.000; tausend Millionen
Hitparade, -n (f.) — alle Lieder, die gerade besonders erfolgreich sind
Vor 60 Jahren erschien das erste Kinderbuch über den schwarzen Jungen Jim Knopf. Heute ist das Werk von Michael Ende nicht unumstritten. Einige finden Teile des Buchs rassistisch, andere deuten es ganz anders.
1960 schrieb Michael Ende ein Kinderbuch über den Jungen Jim Knopf, der als Baby in einem Paket auf die Insel Lummerland kommt. Mit 14 Jahren verlässt Jim die Insel mit seinem Freund Lukas dem Lokomotivführer und zusammen erleben sie viele Abenteuer. Das Buch wurde über 5 Millionen Mal verkauft und in 33 Sprachen übersetzt. 60 Jahre nach seinem Erscheinen ist es jedoch nicht unumstritten.
Jim Knopf ist nämlich schwarz. Und das hat zu zwei gegenteiligen Deutungen geführt. Für die einen ist das Buch rassistisch, für die anderen antirassistisch. „Jim Knopf“ erschien in einer Zeit, in der es fast keine schwarzen Figuren in Kinderbüchern gab. Deshalb identifizierten sich zunächst viele Menschen mit dem Jungen.
„Ich habe Jim Knopf geliebt als Kind. Der Junge, der aussah wie ich und der Held der Geschichte war“, sagt Tupoka Ogette, die Trainings gegen Rassismus anbietet. Über eine Stelle im Buch hat sie sich aber damals schon geärgert. Dort benutzt ein unsympathischer Bewohner von Lummerland das rassistische N-Wort, um Jim zu beschreiben.
Außerdem wird sein Gesicht im Buch klischeehaft mit dicken Lippen beschrieben. Schließlich verliebt sich Jim in die Prinzessin Li Si, die in den neueren Ausgaben aus dem erfundenen Land Mandala, in den älteren aber aus China kommt. Die Bewohner des Landes, so die Kritik, werden ebenfalls klischeehaft dargestellt.
Für Ralf Schweikart vom Arbeitskreis für Jugendliteratur richtet sich das Buch gerade gegen Rassismus. So muss Li Si aus einer Drachenstadt befreit werden, die „nicht reinrassige“ Drachen nicht betreten dürfen. Gemeinsam mit einem Halbdrachen, dessen Mutter kein Drache war, retten sie die Prinzessin. Schweikart deutet das Buch deshalb positiv: „Der schwarze Held und die chinesische Prinzessin kommen zusammen, ohne dass Herkunft und Hautfarbe eine Rolle spielen.“
Lokomotivführer, -/Lokomotivführerin, -nen — jemand, der einen Zug fährt
Abenteuer, - (n.) — ein spannendes und vielleicht auch gefährliches Erlebnis
erscheinen — hier: als Buch oder Zeitschrift veröffentlicht werden
etwas deuten — seine Meinung sagen, wie etwas gemeint ist (Substantiv: die Deutung)
rassistisch — so dass man meint, dass bestimmte Menschengruppen wegen ihrer Hautfarbe oder Herkunft besser sind als andere (Gegenteil: antirassistisch)
unumstritten — so, dass es eine Meinung über etwas gibt
sich mit jemandem identifizieren — das Gefühl haben, das etwas/jemand ein Teil von einem selbst ist bzw. zu einem gehört
Held, -en/Heldin, -nen — hier: die Hauptfigur in einem Buch
das N-Wort — Abkürzung für ein rassistisches, beleidigendes Wort für People of Color
klischeehaft — so, dass etwas ein Vorurteil, die Vorstellung, was typisch für jemanden/etwas ist, darstellt
Prinz, -en/Prinzessin, -nen — ein Kind des Königs/des Kaisers
Ausgabe, -n (f.) — hier: alle Exemplare eines Buches mit demselben Inhalt, die zur selben Zeit veröffentlicht und herausgegeben werden
Kritik, -en (f) — hier: die Tatsache, dass jemand seine (meist negative) Meinung über etwas/jemanden sagt
Arbeitskreis, -e (m.) — eine Gruppe, die gemeinsam an etwas arbeitet
sich gegen etwas richten — etwas kritisieren; sich gegen etwas wenden
Drache, -n (m.) — ein großes, gefährliches Märchenwesen, das Feuer spucken kann
reinrassig — ein rassistisches Wort, das ausdrückt, dass beide Eltern von jemandem die gleiche, als besser bewertete Herkunft haben
Herkunft (f., nur Singular) — hier: das Land, aus dem jemand kommt
Supermarkt-Kunden in Osteuropa fühlen sich betrogen: Sie kaufen die gleichen Markenprodukte wie andere EU-Bürger, doch der Geschmack ist nicht gleich. Nun hat die EU die Qualität der Lebensmittel prüfen lassen.
Die Verpackung sieht gleich aus, aber der Geschmack ist unterschiedlich: Seit Jahren klagen osteuropäische Verbraucher darüber, dass die Qualität vieler Markenprodukte in ihren Ländern schlechter ist als im Westen. Zum Beispiel hat die ungarische Lebensmittel behörde festgestellt, dass Nutella aus ungarischen Supermärkten „weniger cremig“ schmeckt als Nutella aus Österreich.
Christian Köhler vom deutschen Markenverband erklärt die Unterschiede damit, dass der Geschmack der Kunden in verschiedenen Ländern unterschiedlich ist: „Deshalb können und sollen ganz bewusst manche Produkte nicht in jedem Land gleich schmecken.“ Er bestreitet aber, dass die Qualität der Produkte schlechter ist, nur weil sie anders schmecken.
Eine Studie der EU, die im Juni 2019 vorgestellt wurde, bestätigt das. Bei etwa einem Drittel der untersuchten Markenprodukte ist die Zusammensetzung der Zutaten unterschiedlich, obwohl die Verpackung gleich oder ähnlich aussieht. Das gilt jedoch für verschiedene EU-Länder, nicht nur für den Osten Europas. Grundsätzlich ist die Qualität der Produkte in den östlichen Staaten nicht schlechter als im Westen.
Trotzdem sehen einige EU-Politiker die regionalen Unterschiede bei Lebensmitteln kritisch. Bildungs- und Kulturkommissar Tibor Navracsics äußerte sich besorgt darüber, dass Markenprodukte mit unterschiedlichen Zusammensetzungen gleich vermarktet werden. Verbraucherkommissarin Vera Jourová teilte mit, dass sie ein Verbot dieser Doppelstandards plant.
Betrogen: Er hat seine Frau mit eine Kollegin betrogen – Betruegen
Verbraucher: Bundesministerium fuer Verbraucherschutz – Verbrauchen
Behörde:
festgestellt:
Verpackung, -en (f.) — das Material, in das man Waren einpackt
Verbraucher, -/Verbraucherin, -nen — jemand, der etwas kauft und verbraucht
Behörde, -n (f.) — ein Amt; eine Institution der öffentlichen Verwaltung
Nutella (m./f./n., nur Singular) — eine Schokoladencreme, die man aufs Brot streicht
cremig — so, dass etwas dick und weich wie eine Creme ist
Markenverband, -verbände (m.) — eine Organisation von Firmen, die Markenprodukte herstellen
bewusst — mit Absicht
etwas bestreiten — hier: sagen, dass eine Behauptung nicht stimmt
Studie, -n (f.) — hier: die wissenschaftliche Untersuchung zu einem bestimmten Thema
Drittel, – (n.) — der dritte Teil einer Menge
Zusammensetzung, -en (f.) — die Stoffe, aus denen etwas besteht
Zutat, -en (f.) — hier: ein Lebensmittel, das in einem Produkt enthalten ist
etwas kritisch sehen — etwas nicht gut finden; etwas für problematisch halten
regional — auf ein bestimmtes Gebiet bezogen
Bildung (f., nur Singular) — hier: alles, was damit zu tun hat, dass Leute etwas lernen (z. B. das Schulwissen)
Kommissar, -e/Kommissarin, -nen — hier: ein hoher Politiker/eine hohe Politikerin in der EU, der/die für ein bestimmtes Thema verantwortlich ist
sich besorgt über etwas äußern — sagen, dass man sich wegen etwas Sorgen macht
etwas vermarkten — hier: ein Produkt auf eine bestimmte Art präsentieren
Doppelstandard, -s (m.) — hier: die Tatsache, dass zwei Dinge gleich aussehen, aber in Wirklichkeit unterschiedlich hergestellt werden
Rund die Hälfte aller Menschen in Deutschland hat sie: Geschwister. In den ersten Lebensjahren verbringen wir die meiste Zeit mit ihnen. Diese besondere Beziehung hat großen Einfluss auf unsere Persönlichkeit.
Oft können wir uns schwer an ein Leben ohne unsere Geschwister erinnern. Etwa die Hälfte aller Menschen wächst in Deutschland mit Geschwistern auf. Im Kindesalter bedeutet das oft Streit, aber auch Zusammenhalt – eine besondere Erfahrung mit großem Einfluss auf die Entwicklung unserer Persönlichkeit.
Das bestätigt auch die Erziehungswissenschaftlerin Inés Brock: „Durch Geschwister bekommen Kinder mit, dass sie nicht der Mittelpunkt der Welt sind. Sie lernen Empathie, also sich in andere hineinzuversetzen und Konflikte zu lösen.“ Einzelkinder lernen das zwar auch, aber ihnen fehlen in der Familie Bezugspersonen im gleichen Alter. Sie müssen sie sich außerhalb der Familie suchen.
Früher glaubte man, dass die Ältesten verantwortungsvoller und sogenannte Sandwichkinder sozialer sind als ihre Geschwister. Nesthäkchen hielt man für risikofreudiger. Heute weiß man, dass vieles Einfluss auf die Beziehung von Geschwistern haben kann – wie der Altersunterschied oder das Geschlecht. Auch Ereignisse, die große Veränderungen bringen, beeinflussen sie. Die Trennung der Eltern kann zum Beispiel zusammenschweißen.
Nicht alle Geschwisterbeziehungen sind unproblematisch. Manche Geschwister haben später keinen Kontakt mehr zueinander. Schon in der Kindheit kann es zu Schwierigkeiten kommen, etwa wenn ein neues Geschwisterkind dazukommt. Inés Brock findet, dass die Beziehung zwischen Geschwistern in der Forschung mehr Beachtung finden sollte – höchste Zeit, dass auch wir die vielleicht längste Beziehung unseres Lebens noch etwas mehr würdigen.
Persönlichkeit, -en (f.) — der Charakter eines Menschen; das Wesen eines Menschen
aufwachsen — als Kind älter und größer werden; seine Kindheit verbringen
Zusammenhalt (m., nur Singular) — hier: die enge Beziehung zueinander
Erziehungswissenschaftler, -/-wissenschaftlerin, -nen — jemand, der die Erziehung und Bildung von Kindern erforscht
etwas mit|bekommen — etwas bemerken; etwas verstehen
Empathie (f., nur Singular) — die Fähigkeit, die Emotionen eines anderen Menschen zu verstehen
sich in jemanden hinein|versetzen — hier: sich in jemanden hineindenken
Konflikt, -e (m.) — die Schwierigkeit; das Problem
Einzelkind, -er (n.) — jemand ohne Geschwister
Bezugsperson, -en (f.) — jemand, zu dem man ein enges Verhältnis hat
Geschlecht, -er (n.) — die Tatsache, ob man ein Mann oder eine Frau ist
Sandwichkind, -er (n.) — umgangssprachlich für: das Kind, das zwischen älteren und jüngeren Geschwistern geboren wurde
Nesthäkchen, - (n.) — umgangssprachlich für: das jüngste Kind unter Geschwistern
risikofreudig — so, dass man weniger Angst vor Gefahren hat
Trennung, -en (f.) — die Tatsache, dass etwas nicht mehr zusammen ist, was vorher zusammen war
zusammen|schweißen — durch bestimmte Ereignisse besonders verbunden sein
etwa — hier: zum Beispiel
etwas/jemanden würdigen — etwas/jemanden als wichtig anerkennen
Bisher haben nur wenige Muslime die KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besucht. Doch kurz vor dem internationalen Holocaust-Gedenktag trafen sich wichtige Vertreter von Muslimen und Juden, um an die Opfer zu erinnern.
2019 besuchten mehr als 2,3 Millionen Menschen die KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Doch nur rund 3.200 von ihnen, sagt Direktor Piotr Cywiński, kamen aus arabischen Ländern. Doch jetzt besuchte Mohammed Al-Issa, Generalsekretär der Islamischen Weltliga, gemeinsam mit wichtigen jüdischen Religionsvertretern das frühere Konzentrationslager.
Mehr als 1,1 Millionen Menschen wurden dort ermordet. Die meisten von ihnen waren Juden. 75 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers am 27. Januar 1945 war es Al-Issa wichtig, ein Zeichen zu setzen. Er fordert alle Muslime auf, sich mit der Geschichte des Holocaust zu beschäftigen und Gedenkstätten zu besuchen. Kein Muslim, sagte er, kann Auschwitz leugnen. „Und wer dies doch tut, ist ein Verbrecher wie die Nazis selbst. “
Der Berliner Politiker Raed Saleh, selbst Muslim, hat die KZ-Gedenkstätte schon früher mit einer Gruppe von Jugendlichen besucht. Er erzählt, wie ein junger Mann reagierte, als er die vielen persönlichen Gegenstände der Holocaust-Opfer wie Brillen, Schuhe und Koffer sah: „Da steht (...) Mustafa, groß wie ein Schrank, vor einem riesengroßen Berg an Kinderschuhen. Und jeder dieser Kinderschuhe gehörte mal zu Kinderfüßen. Und plötzlich merke ich: Bei Mustafa tut sich was.“
Für Raed Saleh ist es ein gutes Zeichen, dass jetzt auch ein wichtiger Vertreter der Muslime wie Al-Issa das frühere Konzentrationslager Auschwitz besucht hat. „Ich möchte, dass auch meine Generation und die meiner Kinder das Gedenken fortsetzen“, sagt der Muslim. „Das ist die beste Medizin gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit.“
KZ, s (n.) — Abkürzung für: das Konzentrationslager; eine Art Gefängnis, in dem die Nationalsozialisten sehr viele Menschen gefangen hielten und töteten
Gedenkstätte, -n (f.) — ein Ort, der z. B. an ein historisches Ereignis erinnert
Muslim, -e/Muslima, -s — eine Person, die den Islam als Religion hat
Holocaust (m., nur Singular) — der Mord an den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten
Gedenktag, -e (m.) — ein Tag, an dem man sich ein historisches Ereignis erinnert
Generalsekretär, -e/Generalsekretärin, -nen — hier: jemand, der eine internationale Organisation leitet
Islamische Weltliga (f., nur Singular) — eine muslimische Organisation
jemanden ermorden — jemanden absichtlich und geplant töten
Jude, -n/Jüdin, -nen — eine Person, die das Judentum als Religion hat
Befreiung (f., nur Singular) — hier: die Tatsache, dass man seine Freiheit bekommt
etwas leugnen — hier: sagen, dass etwas nicht passiert ist
Nazi, -s (m.) — eine Person, die die Hitler-Diktatur (1933–1945) unterstützt hat
riesengroß — umgangssprachlich für: sehr groß
etwas tut sich — hier: etwas verändert sich
Generation, -en (f.) — eine Gruppe von Menschen, die ungefähr gleich alt sind
etwas fort|setzen — etwas weiter|machen
Rechtsextremismus (m., nur Singular) — die Tatsache, dass man undemokratische und nationalistische Ideen hat
Antisemitismus (m., nur Singular) — das feindliche Denken und Handeln gegenüber Juden; der Hass gegen Juden
Ausländerfeindlichkeit (f., nur Singular) — der Hass gegen Ausländer