US-Präsident Donald Trump streicht Forschungsgelder, wissenschaftliches Personal wird entlassen. Viele Forscherinnen und Forscher denken darüber nach, die USA zu verlassen. Könnte das eine Chance für Deutschland sein?
Deutsche Forschungseinrichtungen erhalten aktuell viel mehr Bewerbungen aus den USA – auch aus der Spitzenforschung. Denn die neue US-Regierung unter Donald Trump bedroht die Wissenschaftsfreiheit: Forscherinnen und Forscher werden entlassen, in vielen Bereichen werden Fördergelder gestrichen. Dazu gehören die Klima- und Gesundheitswissenschaften, aber auch die Erforschung modernster Technologien wie der Künstlichen Intelligenz.
Nun wollen viele Betroffene die USA verlassen. Laut einer Umfrage des Wissenschaftsmagazins „Nature“ überlegen über 1200 von insgesamt 1600 Befragten, nach Kanada oder Europa zu ziehen. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch bei Forschenden, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen.
Dabei wäre ein „Braindrain“ aus den USA für die Wissenschaft auf der ganzen Welt fatal: Der internationale Austausch würde fehlen, Fortschritte langsamer erreicht. „Lücken, die hier nun in der Klimaforschung, in der globalen Gesundheitsforschung oder mit Blick auf die Energietransformation entstehen, lassen sich später nicht einfach wieder schließen“, sagt Otmar Wiestler, der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft.
Andererseits bietet die aktuelle Situation für Forschungseinrichtungen in Europa auch eine Chance. Denn die US-Forscher könnten hier eine neue berufliche Heimat finden – besonders in Deutschland. Laut Christina Beck von der Max-Planck-Gesellschaft sollte Deutschland diese Möglichkeit unbedingt nutzen. Otmar Wiestler hält das jedoch für den falschen Weg. Auch Martina Brockmeier, die Präsidentin der Leibniz-Gemeinschaft, findet: „Eine gezielte Abwerbung von amerikanischen Kolleginnen und Kollegen birgt das Risiko, die amerikanische Wissenschaft nur noch mehr zu schwächen.“
etwas streichen
hier: dafür sorgen, dass es etwas nicht mehr gibt; etwas abschaffen
Forschungseinrichtung, -en (f.)
eine wissenschaftliche Institution; das Institut
Spitzenforschung (f., nur Singular)
die Forschung, die besonders wichtig oder bedeutend ist
jemanden/etwas bedrohen
hier: eine Gefahr für jemanden/etwas sein
Künstliche Intelligenz (f., nur Singular)
Computeranwendungen, die selbstständig Dinge erkennen, lernen und entscheiden können (Abkürzung: KI)
Betroffene, -n (m./f.)
die Person, die ein bestimmtes Problem hat
Befragte, -n (m./f.)
jemand, dem Fragen gestellt wurden, oft bei einer Umfrage
ausgeprägt
hier: stark; deutlich
Braindrain (m., nur Singular, aus dem Englischen)
die Abwanderung von Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftlern, wodurch Wissen im Land verloren geht
fatal
mit schlimmen Folgen
Lücke, -n (f.)
eine Stelle, an der etwas fehlt
Energietransformation (f., nur Singular)
die Tatsache, dass Energie jetzt immer mehr mit erneuerbaren Quellen produziert wird
Helmholtz-Gemeinschaft (f., nur Singular)
die größte deutsche Organisation zur Förderung und Finanzierung von Forschungsprojekten
Max-Planck-Gesellschaft (f., nur Singular)
eine wichtige Forschungsinstitution in Deutschland mit insgesamt 84 Einrichtungen (Max-Planck-Institute)
Leibniz-Gemeinschaft (f., nur Singular)
ein Zusammenschluss von Forschungsinstituten in Deutschland aus verschiedenen Fachgebieten
Abwerbung (f., nur Singular)
die Tatsache, dass man Arbeitskräfte dazu bringt, ihren Arbeitsplatz zu verlassen, weil man ihnen ein besseres Angebot macht
ein Risiko bergen
eine bestimmte Gefahr enthalten